Messepodcast zur E-World
Im aktuellen Messepodcast zur E-world dreht sich alles um eine Frage, die viele von uns direkt betrifft: Wie schaffen wir es, Strom für alle günstiger zu machen – und gleichzeitig die Energiewende sozial gerecht und netzdienlich zu gestalten?
Dazu waren gleich drei Gäste im digitalen Studio: Tobias Mader (Geschäftsführer der FlexHome Energie GmbH), Dr. Liliane Ableitner (CEO & Mitgründerin der Exnaton AG) und Dr. Manuel Lösch (Gründer & Geschäftsführer von InnoCharge). Gemeinsam arbeiten sie in einem Forschungsprojekt daran, Batterieschwärme als Baustein einer neuen, flexiblen Energieversorgung in die Praxis zu bringen.
Rechts kannst du dir eine kurze Video-Zusammenfassung ansehen – darunter findest du die komplette Podcast-Folge.
Drei Perspektiven, ein gemeinsames System
Im Gespräch wird schnell klar: Damit Batteriespeicher im Alltag wirklich wirken, braucht es mehrere Puzzleteile – und genau hier ergänzen sich die Partner:
- FlexHome bringt die Hardware (Batteriespeicher) und die Plattform, über die diese Speicher standardisiert angebunden und steuerbar werden.
- InnoCharge optimiert die Steuerung flexibler Anlagen (Speicher, E-Autos, Wärmepumpen) entlang von Strommarkt- und Netzsignalen.
- Exnaton sorgt dafür, dass flexible Verbräuche in Tarifen abgebildet und korrekt abgerechnet werden können.
Was sind Batterieschwärme – und warum sind sie so relevant?
Mit der Energiewende steigt der Anteil von Wind- und Solarstrom weiter stark an. Das ist gut fürs Klima – bringt aber zwei Herausforderungen mit sich:
- Volatile Erzeugung: Wenn Wind und Sonne liefern, ist Strom reichlich da – wenn nicht, fehlt er.
- Netzengpässe: Durch Elektrifizierung (E-Mobilität, Wärmepumpen, Gewerbe) wird das Netz vielerorts stärker ausgelastet.
Batterieschwärme sind eine Antwort darauf: viele kleine, dezentrale Speicher, die gemeinsam wie ein großer Speicher wirken. Sie können Überschüsse aufnehmen, bei Bedarf wieder abgeben und so helfen, das System stabiler und effizienter zu machen.
Die soziale Frage: Wer profitiert von der Energiewende?
Ein besonders wichtiger Punkt im Podcast ist die soziale Dimension. Denn heute profitieren vor allem Haushalte, die ein eigenes Dach (PV), einen Keller (Speicher) und das nötige Kapital haben. Viele andere – etwa Menschen in Mietwohnungen – haben diese Möglichkeit nicht.
Tobias Mader bringt es mit einem sehr persönlichen Bild auf den Punkt: Seine „Oma, dritte Etage rechts“ kann keine PV-Anlage installieren, nicht mal unbedingt ein Balkonkraftwerk – zahlt aber steigende Kosten mit. Genau hier setzt der Ansatz an:
So könnte es in der Mietwohnung funktionieren
Die Vision: Energieversorger bieten ihren Kundinnen und Kunden einen Speicher als Produktbestandteil an – ohne aufwändige Installation:
- Der Speicher ist ungefähr so groß wie eine Bierkiste
- er wird einfach in die Steckdose gesteckt
- die Steuerung passiert im Hintergrund über den Versorger (Bilanzkreis, Markt- und Netzsignale)
- per App bleibt alles transparent – ohne dass man den Alltag nach Strompreisen ausrichten muss
So wird Flexibilität komfortabel – und für deutlich mehr Menschen zugänglich.
Warum dynamische Tarife und Smart Meter entscheidend sind
Wenn Speicher für das Gesamtsystem arbeiten sollen, braucht es Anreize, die beim Kunden auch ankommen. Liliane Ableitner erklärt, warum fixe Tarife hier an Grenzen stoßen: Am Großhandelsmarkt schwanken Preise teils stark – inklusive negativer Strompreise in Zeiten von Überangebot. Damit es fair ist, muss sich ein Teil dieses Nutzens im Tarif widerspiegeln.
Manuel Lösch ergänzt die zweite Ebene: Neben dem Strommarkt muss auch das Stromnetz berücksichtigt werden. Dafür kommen u. a. variable Netzentgelte ins Spiel – und die technische Grundlage dafür ist klar:
Smart Metering ist das Rückgrat. Nur wenn Verbräuche viertelstundenscharf erfasst und verarbeitet werden können, lassen sich dynamische Preise sauber abbilden, optimieren und abrechnen.
Reallabore und nächste Schritte
Das Projekt läuft nicht nur „auf dem Papier“: Im Podcast werden mehrere Praxisumgebungen genannt – u. a. Reallabore, in denen Batteriespeicher bereits installiert und marktorientiert betrieben werden. Ziel ist es, bis zur Intersolar im Juni belastbare Ergebnisse zu liefern – technisch, regulatorisch und wirtschaftlich.
Kurz zusammengefasst
- Batterieschwärme können erneuerbare Überschüsse nutzbar machen und Engpässe im Netz abfedern.
- Soziale Teilhabe gelingt, wenn Speicher auch in Mietwohnungen praktikabel werden – über Versorger-Modelle.
- Dynamische Tarife + variable Netzentgelte + Smart Meter sind die Schlüssel, damit die Steuerung fair, netzdienlich und wirtschaftlich funktioniert.